Piraten sind, mit dieser Selbsteinschätzung liegen sie richtig, weder rechts noch links. Ob sie aber »vorn« sind? Eher unten. Sie krabbeln unterm Schreibtisch rum und sorgen dafür, dass die Rechner richtig zusammengesteckt sind – den Content müssen andere liefern.
Zugegeben die NZ ist eine recht linke Postille, aber da stehen viel wahre Worte, der gemeine Nerd würde wohl Captain Obvious in der Redaktion vermuten. Wie dem auch sei, ich fand den Artikel ganz erbaulich, da dieser im Prinzip den modus vivendi der Piratenpartei anschaulich wiedergibt. Vertrauen in Technologie ist sicherlich Teil der Lösung, wo wären wir heute sonst? Blindes Vertrauten jedoch trägt Blüten wie die einstige Wundertechnologie Atomkraft, welche in den 1960er Jahren das Perpetuum mobile der technologiegläubigen Gesellschaft darstellte. Unfälle wie in Fukushima sind natürlich nicht vergleichbar, doch sind diese nicht die Folge einer bösartigen Technologie, sondern Folge eines geistlosen Umgangs mit eben diesen hilfreichen Werkzeugen.
Im Moment sehe ich also nur eine Bewegung der Technokraten, welche die Welt in 0 und 1 unterteilt, die innewohnende fuzzy logic jedoch geflissentlich übersieht. In der Welt der Piraten existieren die Technologiebefürworter und die Baumkuschler, die Internetausdrucker. Die Piraten mögen sich als politische deus ex machina betrachten, aber ein Staat ist eben keine Datenbank, die mit ein paar Optimierungen wieder flott gemacht werden kann.
Ich wünsche mir eine Bewegung, die diese recht bunte Welt in sich aufnehmen kann und gleichermaßen alle Menschen in diesem Land zu vertreten vermag. Ein großer Anspruch, doch legitim. Denn dieses alternierende Herumgezappel zwischen links, konservativ, technophil und technophob führt zu nichts, wer heute noch in Sparten denkt und den Rest ausgrenzt oder unter xyz verortet, der hat die Welt nicht verstanden und sollte die Politik meiden. Dies gilt für den 20-jährigen ebenso, wie den vergreisten Politprofi. Dieses Land hat besseres verdient, von der Welt ganz zu schweigen. Insofern sehe ich keine Lösung für das anhaltende politische Dilemma, sondern nur einen egozentrischen Lösungsansatz für veraltete Strukturen, den Inhalten per se hilft dieser jedoch ebenso wenig auf die Sprünge.

