Blogblues

Allerorten liest man davon, der Blogblues geht um. G+ und Facebook geben sich die Ehre, the next generation verzichtet gar ganz darauf und macht wieder auf back to the roots, hin zu WhatsApp & Co.

Back to the roots? Klar in den Anfängen beschränkten wir uns auf Mailboxen, ob fehlender Mbits und ganz realer Baudraten, auf platz- und zeitsparende Kurzformen. Twitter zwang die partizipierende Menge zu 140 Zeichen, WhatsApp & Co wiederum erzogen zu noch kürzerer Kommunikationsformen mangels fehlender Bandbreiten, erschöpftem Kontingent und anderen Widrigkeiten. Der heimische Rechner hat ausgedient, viele kennen als Anbindung gar oftmals nur noch Tablett oder Smartphone. Kann man dies also als Umdenken bezeichnen oder schlichtweg fehlendem Interesse? Ich denke nicht, der Text wich zum Teil Bildern statischer und bewegter Natur, Audio nicht zu vergessen, etc. pp. Was ich sehe, ist insofern ein größeres Spektrum an medialen Darstellungsformen.

Zugegeben, die Technik ist nicht völlig unschuldig daran, wer partizipiert schon gerne aktiv mit Smartphone und halbintelligentem Mäuseklavier oder schmökert gar in einem gefühlt meterlangem Textsumpf? Dazu gesellt sich die gestiegene Frequenz der täglich einprasselnden Informationen. Filter arbeiten da meist nur noch recht monoton: die Überschrift und der Umfang der Bleiwüste wirken dabei äusserst selektiv. Und der Inhalt, tja der Inhalt, der bleibt auf der Strecke. Womöglich kann ein Teaser plus eine reisserische Überschrift zu einem Plus an Lektüre animieren, dann jedoch muss man den Leser packen können und zwar im ersten Drittel.

Dies alles ist kein Blues, ich bezeichne es schlichtweg als Passivität, als Faulheit, die ich mir auch zu eigen machte – dem technischen Fortschritt sei Dank. Ich gelobe keine Besserung, ich suche immer noch den passenden Weg für mich. Mir tut es ehrlich gesagt weh, wenn ich F!XMBR als Archiv verrotten sehe. Ich mochte Archive nie, ein Vollbluthistoriker mag dies anders sehen, aber für mich sind dies trostlose Orte, Bunker mit in Vergessenheit geratenden Informationen. Viel aufregender empfinde ich da die Feldarbeit und ähnlich verhält es sich dabei auch mit einem digitalen Archiv. Bewahren ist gut und wichtig, die Aktivität jedoch erst gibt diesen Archiven den nötigen Inhalt.

G+ & Co. sind insgesamt gesehen nett, aber ich habe nur wenig Einfluss darauf wie gefiltert wird, wie man mit meinen Inhalten zukünftig umgeht, ich gebe mich als einer Wegwerfkultur hin. Ist aber alles was ich wiedergebe wichtig, erhaltenswert? In meinen Augen oftmals nicht immer, andererseits wo wäre die Kulturgeschichte heute ohne die Kleinode diverser Hinterlassenschaften, seien es nur Hinterlassenschaften ägyptischer Händler, der Brief eines Studenten in Italien an seine Mutter, als die erste große Pestwelle durch Europa zog oder auch die Heimatpost eines Soldaten an der Front im ersten Weltkrieg, als dieser nicht von Feinden sprach, von großen Taten und eroberten Planquadraten, sondern seiner Liebsten schöne Worte widmete, seine Hoffnungen und Ängste niederschrieb und nach Banalitäten fragte.

Insofern ist so eine eigene, aktiv geführte Publikation, doch auch eine Art Kleinod, für mich, vielleicht auch für den einen oder anderen. Es ist keine Massenware, die von der einen oder anderen Plattform aus zensurtechnischen Gründen mir entrissen und entfremdet wird oder gar in naher Zukunft aus firmenpolitischen Gründen, dem digitalen Nirwana überantwortet wird.

Ich seile mich nicht von diesen Plattformen ab, von zwanzig Katzenbildern schaue ich mir gewiss mindestens zehn an, aber ich trenne auch gerne die Spreu vom Weizen – manchmal, der Versuch allein ist es schon wert. Die eigene Plattform hat da immer noch einen besonderen Reiz, eine Art digitale Romantik. Klar, dies ist so manchem menschlichen Automaten im Netz zuwider, da zählt der stete Informationsfluss ohne Schnörkel und Finesse, dieses Extrakt mundgerecht für die Aufnahme zwischendurch. Aber mal ehrlich, ein klein wenig mehr an Kultur, von der wir doch allenthalben reden, können wir doch auch wirken und nicht nur in Form eines Kulturbeutels in den Gefilden des digitalen Nomadentums ;-)

In diesem Sinne, keep blogging